Memorial Léon Reich
Die Stadt Nidau ehrt den Nidauer Unternehmer und Holocaust-Überlebenden Léon Reich (1925–2014) und seinen Einsatz für Vermittlung und Versöhnung mit einer Gedenkstele.
Léon Reich wurde am 13. Dezember 1925 in Polen geboren. Als Jude musste er 1939 nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht seine Uhrmacherlehre abbrechen. Im Alter von 17 Jahren wurde er 1943 ins Arbeitslager Blechhammer, einer Aussenstelle des Konzentrationslagers Auschwitz, deportiert. Mit viel Glück überlebte er den dortigen Aufenthalt und den Todesmarsch kurz vor Kriegsende ins Konzentrationslager Buchenwald. Dort wurde er am 11. April 1945 von der US-Armee befreit.
Unter dem Terrorregime der Nationalsozialisten wurden in Europa rund sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens umgebracht – unter ihnen auch die Familienangehörigen von Léon Reich.
Als Flüchtling in die Schweiz
1945 nahm die Schweiz Léon Reich als Flüchtling auf. Hier konnte er seine Ausbildung zum Uhrmacher abschliessen. Von 1958 bis zu seinem Tod 2014 lebte Léon Reich in Nidau, wo er 1964 die Firma Hormec Technic SA gründete. Sie stellt bis heute in Ipsach Präzisionsgeräte für die Uhrenindustrie her.
Das Schweigen gebrochen
Lange sprach Léon Reich nicht über seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern. Er wollte sie seiner Frau und den beiden Söhnen nicht zumuten. Ab Mitte der 1990er Jahre setzte er sich aber dafür ein, dass die Opfer der Nazi-Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten. Als einer der letzten Zeitzeugen berichtete er in Vorträgen und vor Schulklassen über das, was er persönlich erlitten hatte. Damit wollte er nachfolgende Generationen dazu bewegen, aus der Vergangenheit zu lernen – damit sich Solches nie wieder ereignet.
Ehrung durch die Stadt Nidau
2025 hat der Gemeinderat von Nidau beschlossen, Léon Reich für sein Engagement für Vermittlung und Versöhnung zu ehren. Eine Gedenkstele an der Ecke Dr.-Schneider-Strasse/Oberer Kanalweg erinnert an sein verdienstvolles Wirken und an die Opfer des Holocausts. Die Stele ist ein Werk der Bieler Künstlerin Hannah Külling. Der Gedenkstein aus polnischem Travertin besteht aus einem dreieckigen Sockel, auf dem ein dreieckiges Objekt steht. Durch die Drehung des oberen Teils bilden die beiden gleichseitigen Dreieckkörper die Form des Davidsterns (Symbol des Judentums). Die Bruchlinie auf Augenhöhe lässt für die Künstlerin verschiedene Interpretationen zu: Sie kann als Zeichen für die Schoa (hebräisch für «Katastrophe») gesehen werden, aber auch als Symbol für die Fähigkeit, an traumatischen Erfahrungen nicht zu zerbrechen, sondern trotzdem ein erfülltes und erfolgreiches Leben zu führen.
Léon Reich in Wort und Bild
«Ich war die Nummer 178453» – Léon Reich erzählt in der SRF-Radiosendung «Kontext» vom 8.5.2008 aus seinem bewegten Leben.
«Ein Holocaust-Überlebender erzählt Schweizer Schülern von seinem Schicksal» – Beitrag in der SRF-Fernsehsendung «10 vor 10» vom 27.1.2006.